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Wie du in 5 Schritten als Erzieher*in die Eingewöhnung meisterst.

Du möchtest als Erzieher/in dem neuen Kind und seinen Eltern einen schönen Kitastart ermöglichen?
Einen Kitastart der mit Freude, Leichtigkeit und Vertrauen beginnt? In diesem Artikel erfährst du, wie du in 5 Schritten die Eingewöhnung meisterst. Denn durch eine liebevoll, begleitete Eingewöhnung stellst du bereits die Weichen für eine gelingende Erziehungspartnerschaft und baust eine Beziehung zu dem dir anvertrauten Kind auf.

Die 5 Schritte

Die Eingewöhnung ist ein komplexer Prozess, der sich in einzelne Phasen unterteilen lässt. 
Sie alle bauen aufeinander auf. Jede hat eine besondere Bedeutung mit einem eignen Ziel.

  1. Vorbereitung
  2. Kennenlernen
  3. Vertrauen
  4. Trennung
  5. Alltag

Diese fünf Schritte lassen sich ebenfalls im „Berliner“ und „Münchener“ Eingewöhnungsmodell finden und einordnen, falls du nach einem dieser Konzepte arbeitest.

Eins nach dem anderen.

Die Eingewöhnungsphasen bauen aufeinander auf. Deshalb sollten die Schritte 1-5 in in ihrer Reihenfolge beibehalten werden. Beispielsweise dient die Kennenlernphase (Schritt 2) im wörtlichen Sinne dem Kennenlernen. In dieser Phase ist es ungünstig kleine „Tests“ durchzuführen, wie z.B.: die Mutter kurz zur Toilette zu schicken. Das vorwegnehmen einzelner Schritte kann den Prozess der Eingewöhnung behindern.

Beziehungen entwickeln sich nicht über Nacht. Kinder haben ihr eigenes Tempo bei der Eingewöhnung. Zum Vertrauensaufbau gehören immer zwei dazu. Im Erzieher, Eltern, Kind Dreieck sogar drei. Alles braucht seine Zeit. Und die Geduld, die man am Anfang aufbringt, zahlt sich am Ende wieder aus.

Jede Phase hat ihren eignen Schwerpunkt: Vorbereitung, Kennenlernen, Vertrauen aufbauen, Trennung meistern und Alltag leben. Dieser Schwerpunkt sollte vollständig abgeschlossen sein, bevor in die nächste Phase der Eingewöhnung gewechselt wird. Denn sie bildet die Basis für den nächsten Schritt. Die Übergänge der einzelnen Schritte können natürlich fließend sein. Beispielsweise lernt das Kind von Beginn an den Kita Alltag (Schritt 5) kennen. Trotzdem, wird erst im 5. Schritt dieser Schwerpunkt verstärkt in den Blick genommen. Erst in dieser Phase werden dem Kind dann zum Beispiel Förderangebote gemacht.

Gib dir, dem Kind und seinen Eltern die Zeit, die sie brauchen um eine Phase erfolgreich abzuschließen und in die nächste über zu gehen. Beginnen wir mit dem ersten Schritt…

1. Vorbereitung: Eine Eingewöhnung muss vorbereitet werden.

Stell dir vor, du bist auf einer Party eingeladen und als du ankommst ist der Gastgeber noch im Schlafanzug, die Bude unordentlich und nichts gekocht. Auch wenn es dem Gastgeber egal ist, dir wäre es unangenehm. Statt einer netten Party, einer tollen Atmosphäre und einem schönen Abend, ändert sich deine Rolle vom Gast zum Hilfsgastgeber. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass du den Ort nicht gleich wieder verlässt.

Ähnliches kann dir mit den Eltern passieren, wenn du nicht vorbereitet bist. Statt in ihrer Rolle als liebevollen Begleiter für ihr Kind zu bleiben, haben sie das Gefühl, dir helfen und dich unterstützen zu müssen.

Was du alles vorbereiten solltest:

  • Die neue Familie
  • Den Raum
  • Die bestehende Kinder-Gruppe
  • Das Team
  • Den Eingewöhnungsprozess
  • Dich selbst

2. Kennenlernen: Kennenlernen kommt vor Vertrauen

Die Kennlernphase ist enorm wichtig für alle Beteiligten.

Eltern können sich ein erstes Bild von der Einrichtung machen. Sie erfahren, wie sich ihr Kind und andere Kinder und Eltern in der Einrichtung verhalten. Sie lernen dich und deine Arbeitsweise kennen und können erste Sorgen, Ängste und Bedenken äußern. Das Kind erspürt die Atmosphäre und startet seine erste Entdeckungsreise durch die Kita oder Krippe. Und du als Erzieher/in erhältst einen ersten Eindruck von der Familie.

Was zum Kennenlernen dazu gehört:

  • Gegenseitiges vorstellen
  • Eltern vom Kind erzählen lassen
  • Einrichtung und Konzept vorstellen
  • Eingewöhnungskonzept vorstellen
  • Räume zeigen
  • Erste Einblicke in den Kitaalltag geben

3. Vertrauen: Vertrauen entwickelt sich langsam

Vertrauen wird aufgrund von Sicherheit und Geborgenheit, sowie Beziehung hergestellt. Dieses Vertrauen benötigt das Kind um sich sicher zu fühlen. Wir sprechen von Bindung. Bindung beschreibt ein tiefes Urvertrauen. Bindung bietet dem Kind eine Verlässlichkeit, aus der heraus es lernen und sich entwickeln kann. Da die Eingewöhnung eine Übergangssituation ist, in der das Kind anderen Betreuungspersonen anvertraut wird und sich für eine gewisse Zeit von seinen Eltern verabschiedet, ist es besonders hilfreich, wenn diese vertrauensvoll begleitet wird.

Wie du schnell Vertrauen zum Kind aufbauen kannst erfährst du hier. 
Wie du schnell Vertrauen zum Elternteil aufbauen kannst erfährst du hier.

4. Trennung: Trennung bewältigen

Bei einer sanften Eingewöhnung werden Trennungen zwischen Eltern und Kind nicht einfach vollzogen, sondern behutsam gestaltet. Dabei bestimmen Eltern und Kind, wann die Trennung statt findet. Erst wenn beide für diese Trennung bereit sind, macht eine Trennung auch Sinn. Nur eine bewusst gestaltete Trennung bietet dem Kind das Vertrauen und die Verlässlichkeit die, es aufgrund seines Bindungsbedürfnisses benötigt.

  • Trennungen werden aktiv gestaltet (kein hinausschleichen)
  • die Eltern verabschieden sich vom Kind
  • das Kind darf weinen (Trennungsschmerz zeigen)
  • die Trennung wird unterbrochen, wenn das Kind sich nicht nach kurzer Zeit beruhigt
  • die Eltern begrüßen ihr Kind nach der Trennung
  • es kann hilfreich sein, die Trennungen zu dokumentieren (Wie hat das Kind reagiert, was hat es in der Zeit getan?)
  • nur gelungene Trennungen werden wiederholt
  • Trennungszeiten werden langsam gesteigert

5. Alltag: Alltag leben

Eltern wünschen sich, dass sie ihr Kind bedenkenlos dem Personal der Einrichtung überlassen können. Dies fällt ihnen vor allem dann leicht, wenn ihr Kind gerne in die Kita oder Krippe geht. Kinder besuchen gerne die Kita oder Krippe, wenn sie dort Bezugspersonen haben, die sich geduldig um ihre Bedürfnisse kümmern. Bezugspersonen, die da und ansprechbar sind. Die sie behüten und beschützen, aber auch liebevoll ermutigen, neues zu wagen und die eine anregende Umgebung gestalten. Eine Umgebung, die zum spielen und entdecken einlädt.

Kinder brauchen:

  • Bezugspersonen, die sie mögen und annehmen, wie sie sind
  • Orientierung im Alltag
  • ein sicheres Umfeld
  • eine anregend gestaltete Umgebung
  • Freies Spielen und Lernen
  • die Möglichkeit sich selbst einzubringen
  • den Kontakt mit anderen Kindern

Bonus

Mit jedem Eingewöhnungskind und den dazugehörigen Eltern lernt man etwas neues hinzu.

Du darfst dem Kind, den Eltern und vor allem dir selbst vertrauen. Du darfst Fehler machen. Denn du bist genauso in einem Lernprozess wie das Kind und seine Eltern. Bisher hast du dieses Kind im Zusammenhang mit diesen Eltern noch nicht eingewöhnt. Denn jede Eingewöhnung ist einzigartig, auch wenn du mit diesen Eltern bereits ein anderes Kind eingewöhnt hast.

Wichtig ist, dass du dich jeden Tag reflektierst und dein bestmögliches tust, um dazu beizutragen, dass der Übergang gelingt. Menschen sind verschieden und nicht bei allen Kindern und allen Eltern funktioniert die Eingewöhnung gleichermaßen. Überlege dir bei Schwierigkeiten gemeinsam mit deinem Team, welche Schritte ihr verbessern und was ihr verändern könnt, um die aktuelle Eingewöhnungszeit so sanft, individuell und bindungsorientiert wie möglich zu gestalten.

Hast du Fragen zu den einzelnen Schritten?
Oder möchtest du dass ich auf einen der Schritte ausführlicher eingehe?
Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen, oder schreibe mir eine Nachricht.

Liebe Grüße aus der Kita, 
deine Rebekka

Du brauchst mehr Hilfe und Unterstützung, um die Eingewöhnung erfolgreich durchzuführen?

Du willst wissen, wie du die Eingewöhnung im Detail vorbereiten und die Kennenlernphase gestalten kannst? Was du über Bindung wissen musst, um vertrauen zu Eltern und Kind aufzubauen und wie du die Trennungsphase meisterst? All das erfährst du in meinem aktuellen Buch: „Eingewöhnung in der Kita – Mit den Eltern HAND und HAND. Darin habe ich für dich fachliches Hintergrundwissen rund um das Thema Eingewöhnung leicht und verständlich aufbereitet. Kopiervorlagen und Checklisten helfen dir, in der Eingewöhnungszeit den Überblick zu behalten, nichts zu vergessen und die Eltern an die Hand zu nehmen und durch diese Zeit zu begleiten. Außerdem erhältst du Ideen und Tipps rund um die Eingewöhnung.

Die Inhalte des Buches fügen sich perfekt in das Berliner und Münchener Eingewöhnungsmodell ein, welche ich auch vorstelle. Das Buch unterstützt somit die praktische Anwendung beider Modelle und bietet Hilfestellungen bei vielen weiteren Fragen zur Eingewöhnung.

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